Brauchtumsvereine in Unterfranken

Unterelsbach

Ünnerälsber Fosenöchter

Seit vielen Generationen gibt es in Unterelsbach zur Faschingszeit den Brauch, dass die Sogenannten „Fosenöchter“ durch die Straßen ziehen.

Gekleidet sind sie mit langen weißen Hosen, einem bunten Rock sowie einem – in liebevoller Handarbeit bestickten – schwarzen Samtgürtel. Das weiße Hemd wird geschmückt von Einem breiten, bestickten Hosenträger sowie einem Halskragen mit kleinen Glöckchen. Das Gesicht wird hinter einer Holzmaske versteckt. Das Besondere am Fosenöchterkostüm sind. Jedoch die besonders aufwendig gearbeiteten dreispitzigen Hüte. Komplettiert wird das Kostüm von weißen Handschuhen.

Die Aufgabe der Fosenöchter bestand darin, die unverheirateten Mädchen von ihren Wohnungen zum Faschingstanz zu begleiten. Diese wurden schon am Nachmittag mit folgendem  Spruch dazu aufgefordert:

Auf ihr Narren strömt herbei,...flieht des Alltags einerlei,

reißt Euch los von Herd und Tiegel,...und packt des Frohsinns lockre Zügel!

Springt mit Schwung und mit Elan,...in den bunten Faschingskarr`n.

Zur Straßenordnung legen wir fest:...Kein Fußgänger ohne Alkoholtest!

Jeder muss sein Soll erfüllen...Mit mindestens zwei-drei Promillen.

Und ganz besonders den jungen Damen...Rufen wir zu in Prinz Karnevals Namen:

Schmückt Euch ihr Schwarzen, Blonden, Brünetten,...zum Faschingstanz mit Ringen und Ketten,

werft Euch in Euren Sonntagsstaat,...und seid um fünf Uhr zum Einzug parat.

Auf ihr Narren gönnt Euch keine Ruh...die Narretei geht dem Ende zu! Helau!

Die Zeit vor dem eigentlichen Tanz nutzen die Fosenöchter, um die neckenden Kinder zu Fangen, die mit wildem Geschrei in die umliegenden Häuser und Straßen flüchten. Ausgestattet mit einer Holzklatsche verteilen die Fosenöchter leichte „Klapse“ an Kinder und Erwachsene.

Früher waren die Masken und Kostüme in Privatbesitz. Nach dem Krieg hat der TSV diese Tradition fortgeführt. In den 70er Jahren ließ der Rhönklubzweigverein Unterelsbach als kulturtragender Verein 4 neue Masken und Kostüme nach altem Vorbild erstellen. Diese werden bis heute genutzt.

Nach Aussage älterer Bürger von Unterelsbach gab es Anfang des letzten Jahrhunderts 8 Masken mit unterschiedlichen Gesichtern und verschiedener Mimik. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2013 vom TSV 4 weitere Fosenöchtertrachten gefertigt, sodass die alte Anzahl wieder hergestellt wurde.https://www.fastnacht-verband-franken.de/cms/

Thüngersheim

Fastnachtsläufer "Domino"

Faschings Club Thüngersheim e.V.

Die Gemeinde Thüngersheim am Main wurde im Jahre 1098 erstmals urkundlich erwähnt, liegt im unterfränkischen Landkreis Würzburg und ist mit einer Rebfläche von über 240 Hektar eine der größten Weinbaugemeinden Frankens.

Der Tag an dem der erste Domino durch Thüngersheim ging, ist nicht genau dokumentiert. Nach gründlicher Recherche und Befragung von Zeitzeugen muss es aber Anfang/ Mitte des 20. Jahrhunderts gewesen sein. Seither hat sich dieser fastnachtliche Brauch aber über Generationen gefestigt und ist fester Bestandteil des Ortsfaschings.

Hierbei wird Rosenmontag und Faschingsdienstag in den typischen schwarzen Gewändern von Haus zu Haus gezogen und an Häusern um Einlass sowie um eine flüssige und feste Stärkung gebeten.

In den Häusern werden die Masken abgelegt und man gibt sich dem Gastgeber zu erkennen. Es gibt Schorle, Wein und Brotzeit mit frisch geschlachteter Wurst. Es wird oftmals, natürlich auch mit flüssiger Unterstützung,  gesungen, musiziert und gelacht. Am Faschingsdienstag kurz vor Mitternacht wird im Kreise der Dominos der Fasching beerdigt. Ein Domino liegt in einem Sarg, der von einem Trauerzug in Mitten des trauernden Gefolges getragen wird. Mit einer Trauerrede, Kerzen und laut weinenden Dominos wird der „Fasching“ symbolisch zu Grabe getragen. Man gedenkt der närrischen Zeit seit dem 11.11. und deren Freuden, stimmt sich aber sogleich auf die Fastenzeit ein. 

Im Gegensatz zu anderen Brauchtumsgruppen gibt es keine feste Organisationsstruktur. Im Domino ist man im Kreise von Freunden, der Familie oder als andere Gruppe „privat“ unterwegs.

Der Domino in Thüngersheim wird heutzutage in der Regel schwarz getragen. In anderen Varianten gibt es ihn auch bunt und mit Gesichtsmasken anstelle der „Larven“. Ergänzt wird der Domino individuell mit u.a. Vorhängen, Tüchern, Gürteln und Ketten.

Begriffserklärung und Herkunft

Das Gewand „Domino“ (lat. dominus „Herr“ oder „Geistlicher“, umgangssprachlich „der“ Domino oder „Kläd“) bezeichnet ein ursprünglich schwarzes Gewand mit weiter, tief ins Gesicht gezogener Kapuze, welches in früheren Jahrhunderten zur Kleidung von Geistlichen in Südeuropa gehörte. Es diente vor allem bei Regen und im Winter dazu, den ganzen Körper zu verhüllen.

Im 16. Jahrhundert wurde der „Domino“ dann in die weltliche Kleidung übernommen, und bereits damals dazu genutzt, sich unerkannt fortzubewegen.

Später entwickelte er sich dann zum typischen venezianischen Kostüm indem er zusammen mit einer „Pestmaske“ getragen wurde. Über diesen Weg fand er wohl auch im Laufe der Zeit in Franken sein Zuhause. Die Ähnlichkeiten der  (Pest-) Masken und Umhänge zum Domino sind bis heute im Karneval in Venedig zu erkennen.

Im Domino bewegt man sich als sog. Fastnachtsläufer fort. Dieser zeigt sein Gesicht nicht.

Er  trägt eine Maske und ein entsprechendes Kostüm,  was im fränkischen Raum „Kläd“ genannt wird.

Der maskierte und verkleidete Fastnachtsläufer ist zwar als Person vorhanden, nicht aber als Persönlichkeit. Er ist gleichgestellt mit allen anderen. Geschlecht, Herkunft, gesellschaftlicher Stand und sonstige individuelle Merkmale sind hinter der Maske nicht mehr erkennbar und damit aufgehoben. Gleichgültig ob arm oder reich, mit viel Einfluss oder keinem, Berühmtheit oder nicht.

Man begegnet sich unerkannt und auf Augenhöhe.